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Konrad II. (990-1039) gelang es, das Königsreich Burgund dem Deutschen Reich anzugliedern. Seine Nachfolger, Heinrich III, herrschten somit über ein Gebiet gigantischen Ausmaßes. Im Norden begrenzte es die Nordsee, im Osten die Elbe, im Westen reichte es bis in die Provence und im Süden bis nach Oberitalien. Etwa fünf Millionen Menschen verschiedenster Ethnien, von denen sich die wenigsten untereinander verständigen konnten, bevölkerten diese Landstriche. […] Die allermeisten Bewohner des Reiches lebten von den Erträgen ihrer Landwirtschaft, die sich dank technischer Neuerungen wie dem Kummet im Verlauf des 11. Jahrhunderts erheblich steigerten. Doch auch das Städtewesen, das in Oberitalien bereits weit entwickelt war, erlebte nördlich der Alpen zunehmenden Aufschwung.

Im November 1053 versammelte Kaiser Heinrich III die Fürsten des Reiches in Trebur, um dort den Kleinen – Heinrich IV, im 1050 geboren – zum deutschen König wählen zu lassen. Man vermutet heute, dass er bereits zu dieser Zeit ernsthaft an Gicht erkrankt war* und wusste, dass ihm nicht mehr allzu viel Zeit blieb, seine Nachfolge zu regeln. Für Heinrich IV begann im März 1065 nun der endlose Reiseweg eines mittelalterlichen Königs. Sein Reich kannte weder Hauptstadt sondern Verwaltung. Geschätzte 120 000 Kilometer – in etwa drei Weltumrundungen – legte Heinrich IV im Laufe seiner fünfzigjährigen Regierungszeit zurück.

*Heinrich III starb im 1056.

Quelle : Die Deutschen, G. Knopp, S. Brauburger, P. Arens., Goldmann Verlag.

Wann entstand das erste gesamtdeutsche Bewußtsein?

Im Mittelalter: Otto der Große (10. Jahrhundert) galt fast ein Jahrtausend lang als der Stifter eines Reiches, vielleicht sogar einer Nation der Deutschen.

Sein Vorbild waren die Kaiser Roms, wie Augustus, Mark Aurel und Konstantin sowie Karl der Große, der der Erste war, der im Jahr 800 durch die Krönung zum Kaiser durch den Papst an römische Traditionen anknüpfte. Trotz vieler Unwirksamkeiten, machthungriger Fürsten, einer verräterischen Familie und dem Einfall der Ungarn, konnte er sich behaupten und wurde im Jahr 962 vom Papst zum Kaiser gekrönt und gründete das heilige römische Reich.

Zu seiner Zeit sprachen die Sachsen, Franken, Bayern und Schwaben eine Vielzahl weitläufig verwandter Dialekte, auch „Volkssprache“ genannt. Die Italiener tauften diese sprachlich ungeschliffenen Barbaren „tedeschi“, also „Deutsche“.

Der gemeinsame Kampf im Jahr 955 gegen die Ungarn gab den Stämmen des Reiches das erste Mal ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Durch den herrlichen Sieg mit Ruhm beladen, wurde der König von seinem Heer als Vater des Vaterlandes und als Imperator, als Herrscher über die Völker, begrüßt. Denn solch eines Sieges hatte sich kein König vor ihm in zweihundert Jahren erfreut. – Widukind von Corvey

Das Reich verlieh über die nächsten Jahrhunderte hinweg den Deutschen trotz aller Zersplitterung Identität und brachte sie unter ein Dach zusammen, unter dem sie fast ein Jahrtausend später schließlich auch zur Nation werden sollten.

Ende des 13. Jahrhundert nannte der Dominikaner-Chronist Martin von Troppau Otto den Großen „den ersten Kaiser der Deutschen“ (primus imperator Theutonicum).

936 in Aachen glanzvoll zum König gekrönt, war Quedlinburg Ottos spiritueller Mittelpunkt. Hier lag sein Vater begraben. 962 (nachdem er 955 die Ungarn auf dem Lechfeld geschlagen hatte) wurde Otto I. in Rom vom Papst zum römischen Kaiser gekrönt: Begründung des Heiligen Römischen Reiches.

Quelle: Die Deutschen von Guido Knopp, Stefan Brauburger, Peter Arens

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